Die Winninger Sage

 

Im Jahre 955 kämpften auf dem Lechfelde die tapferen Krieger Ottos des I. gegen das ungarische Heer. Es war eine blutige Schlacht, und die Toten waren auf beiden Seiten nicht zu zählen.

 

Eine arme Schnitterin näherte sich am Morgen nach dem Kampf dem Schlachtfeld und hörte von der Wiese her ein leises Stöhnen. Sie eilte zu den Gefallenen und entdeckte unter ihnen einen edlen Jüngling, der zwar in seinem eigenen Blute lag, aber sein Leben noch nicht ganz ausgehaucht hatte.

Die Jungfrau eilte nun, um Hilfe zu holen, und pflegte in der Hütte des Vaters den Ritter, der unter ihrer treuen Pflege alsbald genas.

 

Durch die Anmut des Mädchens bezaubert, fühlte dieser bald die Liebe zu ihr erwachen und nahm sie zu seinem Weibe. Nun zog es den Ritter jedoch in seine Heimat zurück und er machte sich mit ihr auf den Weg.

 

Nach einer beschwerlichen Wanderung durch den unwirtlichen Harz kamen die beiden in unsere Gegend. Es war ein fruchtbares Land, welches sich da vor ihnen ausbreitete, und es gefiel ihnen so gut, dass sie beschlossen, hier zu bleiben.

 

Der fremde Ritter besaß nur sein Schwert, die Frau ihre Hände zum arbeiten. Weil beide das sehr wenig dünkte, nannten sie sich vor den Leuten die „von Wenig“. Fleißig arbeiteten die „von Wenig“ und lebten sparsam. So kamen sie nach und nach zu Wohlstand.

 

Die Nachkommen des Ritters und der Schnitterin waren die späteren Herren von Wenigen … von Winningen. Sie wurden ein ritterliches Geschlecht. In ihrem Wappen führten sie zum Andenken an ihre Ahnfrau drei Sicheln. Die Freude am Landbau ist ihnen durch die Jahrhunderte erhalten geblieben.